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08.11.2025 / Interview aus dem Podcast »Kunst der Freiheit«Der vergessene jüdische WiderstandIn unserer Erinnerungskultur führt der Widerstand von Jüdinnen und Juden im Kampf gegen den Nationalsozialismus bis heute ein Schattendasein. Darin unterschieden sich auch die alte BRD und die frühere DDR wenig voneinander. Die obszöne Behauptung, die europäischen Juden hätten sich zwischen 1938 und 1945 widerstandslos wie das arglose Lamm aus Jeremia 11, 19 zur Schlachtbank führen lassen ist weiterhin präsenter als die Namen der vielen jüdischen Frauen und Männer, die Widerstand leisteten. Umso wichtiger ist deshalb das Buch "Der vergessene Widerstand" von Prof. Dr. Stephan Lehnstaedt. Der Holocaust-Experte hat die vergessenen Geschichten der zehntausenden Jüdinnen und Juden zusammengetragen, die sich in Deutschland und den von den Nationalsozialisten besetzten Gebieten zusammengetragen. In meinem Podcast KUNST DER FREIHEIT sprach er über die Aktivitäten des jüdischen Widerstands und erinnert an einen beispiellosen Kampf gegen die Entmenschlichung, der zugleich ein Ringen um Würde, Kultur und das Recht zu leben war.
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04.11.2025 / Rezension»FairWandel« 1.0: Sozialer Fortschritt in der umkämpften Automatisierung»FairWandel« hat eine Vorgeschichte: In der frühen Automatisierung der 1950er und 1960er Jahre entwickelte die IG Metall Werkzeuge zur Gestaltung technologischer Umbrüche. Ralf Roth rekonstruiert die Frühphase der Digitalisierung in Westdeutschland und die Strategien der IG Metall zwischen Automatisierung, Arbeitszeitverkürzung und Mitbestimmung. Die Studie legt vergessene Erfahrungsschichten frei, die für die heutige Industriepolitik und Gewerkschaftsstrategie Relevanz besitzen. Roth zeigt, wie aus technischer Innovation soziale Politik wurde – und warum die konflikthafte, widersprüchliche und mit Fort- und Rückschritten versehene Transformation sowohl mutige Visionen als auch strategische Geduld benötigt.
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03.11.2025 / RezensionThomas Piketty und der revolutionäre Elan der SozialdemokratieDer Verlag C.H.Beck publiziert Kolumnen und ein Essay von Thomas Piketty. Der Wirtschaftswissenschaftler skizziert darin einen langfristigen Weg zu demokratischer Wirtschaftssteuerung, ökologischer Transformation und globaler Gerechtigkeit. Der Band knüpft an die historischen Leistungen der revolutionären Sozialdemokratie an und will Mut machen zu einer erneuerten, konfliktbereiten Politik der Vergesellschaftung und Umverteilung. Sein Argument: Am Beginn des 20. Jahrhunderts war der heutige Sozialstaat undenkbar. Warum soll ein demokratischer und ökologischer Sozialismus im 21. Jahrhundert Utopie bleiben? Zugleich bleibt die Frage offen, wie diese Vision den autoritären und faschistischen Gegenbewegungen begegnet, die Thomas Piketty kaum thematisiert.
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02.11.2025 / Jüdisches LebenVon moralischer Gewissheit zu historischer BlindheitDer linksparteinahe Jugendverband „Linksjugend[`solid]“ hat einen Beschluss unter dem Titel „Nie wieder zu einem Völkermord schweigen“ gefasst. Er ist durchzogen von der Dämonisierung Israels und einer Solidarisierung mit vermeintlich revolutionären Bewegungen in der Region. Wer das sein soll, jenseits von Hamas u.a. bleibt offen. Das darf nicht unwidersprochen bleiben.
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29.10.2025 / RezensionHegemoniekämpfe: Rechte Räume und emanzipatorische PraxisRechte Raumnahme zeigt sich in vielen Bereichen der Gesellschaft, weit über Infrastrukturen wie rechte Immobilien hinaus. Rechte nehmen Raum durch symbolische Aufladungen, kulturelle, performative Aktivitäten. Wie diese räumlichen Zusammenhänge zu verstehen sind und wie Progressive den Kampf um Hegemonie erfolgreich führen, hat das Autor*innenkollektiv Terra-R in einem klugen Buch beim Verlag Westfälisches Dampfboot dargelegt.
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28.10.2025 / Interview aus dem Podcast »Kunst der Freiheit«Zivilgesellschaftliche Strategien und rechtliche Instrumente gegen rechtsextremistische RaumnahmeIn einer Sendung meines Podcasts KUNST DER FREIHEIT widmete ich mich dem Thema »Was hilft gegen rechtsextreme Immobilien und Raumnahme?«. Dazu sprach ich mit dem Demokratie-Aktivisten Sebastian Zahn sowie dem Rechtsanwalt Dr. Jens Vorsteher. Beide Gespräche sind nun auch nachzulesen und hier dokumentiert.
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27.10.2025 / RezensionWilli Bleicher: Ein Leben in und für die Arbeiter:innenbewegungIm Leben von Willi Bleicher bündelten sich die Extreme des 20. Jahrhunderts wie in einem Brennglas. Der Gewerkschafter, oppositionelle Kommunist und erfolgreiche Organisator bedeutsamer Streiks in der Metallindustrie der 1960er und 1970er Jahre war eine Ausnahmepersönlichkeit und gleichzeitig ging er einen typischen Weg für viele seiner Generation. Eine Dokumentation gibt nun Einblick in Briefe, Reden und Interviews des linken Gewerkschafters.
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25.10.2025 / RezensionUmkämpfte Solidarität in GewerkschaftenIm Text werden zwei aktuelle Beiträge zur Lage der Gewerkschaften vorgestellt: Gerd Wiegel analysiert den Einfluss autoritär-rechter Bewegungen auf die Arbeitswelt, während Kathrin Renz und Lea Dahms den Umgang der Gewerkschaften mit Antisemitismus und ideologischer Vereinnahmung untersuchen.
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15.10.2025 / RezensionRechte Kulturalisierung der Arbeit und konfliktorientierte GewerkschaftspolitikIn einer Sammelrezension führe ich Beiträge aus drei jüngst erschienen Publikationen zusammen, die sich Arbeitskämpfen, Gewerkschaften und der autoritären Rechten in der Arbeitsgesellschaft widmen.
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14.10.2025 / RezensionWie weiter mit der Arbeit? – Kartierung der ArbeitsgesellschaftDer Sammelband „Wie weiter mit der Arbeit?“ kartiert die Entwicklung der Arbeitsgesellschaft. Die Herausgeber:in Anke Hassel und Wolfgang Schroeder sind überzeugt, dass wer den Sozialstaat erneuern will, muss die Arbeitsgesellschaft verstehen. Dazu will der Sammelband einen Beitrag leisten.
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13.10.2025 / Kultur„Land of Hope and Dreams“ – Kunst als Gegenfaktum in autoritären ZeitenVieles hatte man erwartet. Doch seit dem erneuten Amtsantritt von Donald Trump am 20. Januar 2025 als US-Präsident verdüstert sich die Weltlage täglich, ungläubig verfolgt man die Nachrichten. Geradezu modellhaft wird in den USA die Demokratie sukzessive liquidiert, die Autokraten formieren sich – ein Prozess, der ebenso in Europa aufscheint und auch in Deutschland bereits fortschreitet. Dies wird durch die Wahlergebnisse in den Ländern und im Bund manifestiert und durch die sprachliche Aufrüstung deutlich gemacht. Was bedeutet das für die Kultur, wie kann sie reagieren auf das „Rollback“? Die Autor:innen der 115. Ausgabe der Literaturzeitschrift "Allmende" diskutieren diese Entwicklung. Ich habe den Einleitungsbeitrag beigesteuert, der hier nachzulesen ist.
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09.10.2025 / RezensionDemokratie braucht UngehorsamDie Journalisten Matthias Meisner und Paul Starzmann zeigen, warum Demokratie mehr braucht als Zustimmung – nämlich Widerspruch. Ihr Buch „Mut zum Unmut“ ist ein Plädoyer für die unterschätzte Tugend des Widersprechens, eine Anleitung zur Selbstbehauptung in Zeiten wachsender Anpassung und eine Einladung, die eigene Renitenz als politische Haltung zu begreifen.
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02.10.2025 / RezensionDemokratische Institutionen im Visier der AfDOb Parlamente, Polizei und Schulen oder Bauernverbände und Gewerkschaften: Der Sammelband Autoritäre Treiber eines Systemwechsels herausgegeben vom Rechtswissenschaftler Günter Frankenberg und dem Autoritarismusforscher Wilhelm Heitmeyer beschreibt die Strategien der AfD, Institutionen zu destabilisieren. Das Buch versteht sich als Frühwarnsystem und legt eindringlich offen, wie die AfD Institutionen angreift, um einen autoritären Systemwechsel vorzubereiten.
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01.10.2025 / RezensionZiviler Verfassungsschutz im PraxistestDas Thüringen-Projekt des Verfassungsblogs nahm ab 2023 vorweg, was nach der Thüringer Landtagswahl im Herbst 2024 Realität wurde: eine AfD als stärkste Fraktion im Landtag. Rechtzeitig vor den Wahlen 2026 liegen nun 35 ausgewählte Blogtexte aus dem Projekt versammelt in einem Buch vor. Ein wichtiges Buch, denn wehrhaft ist unsere Demokratie laut Verfassung. Resilient wird sie durch konkretes Tun.
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30.09.2025 / RezensionDemokratie einfach erklärt – und zum Mitmachen ermutigtDemokratie lebt davon, dass niemand „zu Dummie“ ist, um mitzureden und mitzugestalten. Doch wie genau funktioniert politische Teilhabe? Julia Karnahls neues Buch liefert einen klar strukturierten Leitfaden: Von Gewaltenteilung und Föderalismus über Wahlrecht und Petitionen bis hin zu Fragen, mit denen Bürger:innen Politiker:innen konfrontieren können. Damit ermutigt es, Demokratie nicht nur zu verstehen, sondern als eigene Aufgabe zu begreifen.
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28.09.2025 / Parteien/WahlenIn der Vielfalt liegt die Kraft.Zum Charakter der Programmdebatte einer pluralen LINKEN
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25.09.2025 / Interview aus dem Podcast »Kunst der Freiheit«Klasse – Museum. Klasse und Klassismus in der MuseumsarbeitDie soziale Klasse gehört zu den prägendsten, aber im Kulturbereich nach wie vor unterbelichteten Kategorien gesellschaftlicher Ungleichheit zählt. Eine Tagung soll mehr Licht ins Dunkel bringen. Darüber sprach ich mit Dr. Doreen Mölders im Podcast KUNST DER FREIHEIT. Das Gespräch in der Sendung vom 17. September 2025 ist hier dokumentiert.
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24.09.2025 / Interview aus dem Podcast »Kunst der Freiheit«“Freedom and democracy is not about political violence”Der bekannte und in den USA in der von Trump geführten Make America Great Again (MAGA)-Bewegung populäre rechte Aktivist Charlie Kirk wurde am 9. September 2025 während einer öffentlichen Veranstaltung an der Utah Valley University in Orem durch einen gezielten Gewehrschuss ermordet. Das Attentat verschärfte die politische Polarisierung in den USA weiter und führte zu einer Welle gegenseitiger Schuldzuweisungen; sowohl von rechter als auch von linker Seite wurde das Klima der Gewalt thematisiert. In der Sendung vom 17. September 2025 unseres Podcasts KUNST DER FREIHEIT sprach Katrin Petermann mit dem Leiter des Amerika-Büros der Rosa-Luxemburg Stiftung, Stefan Liebich über die Situation in den USA, während der Politikwissenschaftler und Populismusforscher, Prof. Dr. Marcel Lewandowsky, im Gespräch mit mir die hiesige Situation analysierte. In diesem Blogbeitrag sind beide Gespräche dokumentiert.
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22.09.2025 / KulturWandernde Werke – der lebendige Bezug der ProvinienzforschungNS-Raubkunst prägt bis heute die Arbeit von Museen und Gerichten. Die Fälle um die Sammlung Goudstikker, die Restitutionsstreitigkeiten in Düsseldorf und Krefeld zeigen, wie komplex und langwierig die Aufarbeitung, aber vielfach beschämend die verweigernde Haltung von Museen und lokaler Politik ist und der Umgang mit Kulturgut gesellschaftlich bedeutsam bleibt. Die Ausstellung "Provenienzen. Kunstwerke wandern" in der Berlinischen Galerie macht sichtbar, wie vielschichtig, vielfach kriminalistisch arbeitend die Provenienzforschung ist – und weshalb auch kleine Museen mehr Kontinuität und Mittel dafür benötigen.
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16.09.2025 / Interview aus dem Podcast »Kunst der Freiheit«Mehr Resilienz für unser KulturgutDie Krieg Russlands gegen die Ukraine, Extremwetterereignisse wie das Ahrtal-Hochwasser oder Katastrophen wie z.B. der Brand in der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek Weimar machen deutlich, dass Krisen und Notlagen eine reale Bedrohung für den Kultursektor und die Kulturgüter darstellen. In meinem Podcast KUNST DER FREIHEIT sprach ich mit der Kulturgutschutzexpertin Constanze Fuhrmann über Handlungsnotwendigkeiten für den deutschen und europäischen Schutz von Kulturgütern.